Lützel
lützel
parum.
die form dieses wortes, welches im 16. jahrh. für die hochdeutsche schriftsprache selten wird, im 17. sich nur noch in spuren zeigt und über diese zeit hinaus, auszer in eigennamen, wo es sich erhalten, nicht mehr vorkommt, ist westgermanisch: altsächsisch luttil, angelsächsisch lytel, althochdeutsch luzzil, mittelhochdeutsch lützel.
die grundbedeutung von lützel ist die des geneigten oder niedrigen, wie sie im altn. verbum lûta sich neigen, niederbeugen, demütigen, ags. lûtan, sich neigen, beugen; ferner in altn. lûtr niedergebeugt, gedemütigt, goth. liuts heuchlerisch, ags. lytegian heucheln mit lot betrug; endlich auch in ags. lutian, ahd. lûʒên verborgen sein, mhd. lûʒen lauern, hervortritt.
lützel bildet den gegensatz zu viel.
swaʒ unser herregot wil,
sîn sî lützel oder vil,
des muoʒ im der wille mîn
gehôrsam an mîn ende sin.
da lützel später nicht mehr, wie ahd. und mhd. die bedeutung klein, gering, sondern nur noch die „klein an zahl, wenig“ entfaltet, so schlieszt sich die fügung, wie bei andern unbestimmten zahlbegriffen, gewöhnlich der neutralen eines collectivums näher an.
mundartlich lebt lützel bis heute fort — besonders im alemannischen raum: Baselbiet, Elsass, Appenzell, Schwarzwald und Vorarlberg.
verwandte formen: little, lille, lütjek.
Auszug aus Werner Koflers Am Schreibtisch
Ob Lübeck-Buntekuh oder Hildesheim-Himmelstür, mir blieb das Tor zum Himmel verschlossen, gar keine Schwierigkeit. Aschaffenburg, Fulda, Bebra — alles überstanden. Nennen Sie mir einen Ort, ich bin da gewesen. Koblenz? Darf ich die Schwierigkeit erhöhen? Koblenz-Lützel!